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Auszug Presse Hagen

Teurer Blick ins Abwasser-Rohr
Unseriöse Anbieter nutzen Unwissenheit von Hausbesitzern aus / Dichtheitsprüfung vorgeschrieben

Von Julia Küster

Hagen. Erst scheint das Angebot günstig, doch am Ende steht meist eine schier unglaubliche Rechnung für den Kunden. Mit dubiosen Praktiken ködern unseriöse Kanal-technik-Unternehmen vermehrt Hausbesitzer, indem sie scheinbar billige Untersuchungen an der privaten Abwasseranlage anbieten. Die Landesbauordnung NRW schreibt vor, dass bis spätestens zum Jahr 2015 eine Dichtheitsprüfung der hauseigenen Rohrleitungen gemacht werden muss, für ältere Häuser, die vor 1965 gebaut wurden und die in einem Wasserschutzgebiet liegen, verlangte die Bauordnung sogar eine solche Prüfung bis Ende 2005. Doch trotz Vorschrift ist hier noch viel zu tun. Ideale Voraussetzungen für betrügerische Firmen, die häufig gerade mit älteren Hauseigentümern das große Geschäft machen, wie Ralph Sluke vom Verband deutscher Rohr- und Kanal-Technik-Unternehmen e.V. (VDRK) erklärt. „Uns ist, eine Firma bekannt, die die so genannte TV-Untersuchung an der Abwasseranlage für 39,90 Euro anbietet, aber dieser Preis ist völlig unrealistisch", so Sluke. Die Masche der Betrüger ist laut VDRK immer ähnlich. Über Werbeflyer, Anrufe eines Call Centers oder direkte „Hausbesuche" bietet eine Firma ihre Leistungen an, und das unglaublich günstig. Vor Ort führt ein Mitarbeiter dann eine kurze Inspektion der Rohre mit einer Kamera durch und erklärt, dass dringender Handlungsbedarf bestehe. Zum Beweis führt er die Bilder der Kamera vor, die jedoch oftmals eine vorbereitete Videoversion eines völlig desolaten Rohrsystems zeigen. Dass diese Aufnahme nicht vor Ort entstanden ist, ist für den Kunden nicht zu erkennen. „Die Firma setzt dann die Leute unter Druck, den Auftrag zu erweitern, dabei kommen Rechnungsbeträge von 1500 bis weit über 5000 Euro zustande", so Sluke weiter. „Durch solche Leute kommen dann auch die seriösen Rohrreiniger in Verruf." Die Firma, die dem VDRK besonders durch unseriöse Arbeit aufgefallen ist, hat ihren Sitz in Leipzig, doch sie operiert bundesweit, auch in Nordrhein-Westfalen ist sie dem Verband ein Dorn im Auge - und nicht nur den seriösen Rohrtechnikern. Nach Informationen der Verbraucherzentrale NRW ermittelt auch die Kripo Wuppertal. Verband und Verbraucherzentrale warnen eindringlich vor zweifelhaften Anbietern. „Man sollte nichts ohne einen detaillierten Kostenvoranschlag in Auftrag geben", rät Mechthild Winkelmann von der Verbraucherzentrale NRW, „Darin sollte genau aufgelistet sein, welche Geräte benutzt werden, das verwendete Material, die Arbeitszeit und die Anfahrtskosten." Und das gelte auch in Notfällen, wenn offensichtlich ein Schaden vorliegt. „So hoch kann das Abwasser gar nicht im Keller stehen, dass man dafür nicht die Zeit hat", ist der Fachmann überzeugt.


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